Ein Kommentar von Jacqueline Zimmermann: Wenn die New York Times über den Fahrsport schreibt...da schlägt das Herz der Fahrsport Community höher!
Die New York Times ist eine der renommiertesten und einflussreichsten Tageszeitungen der Welt. Sie steht für hochwertigen Journalismus, tiefgehende Recherche und internationale Berichterstattung auf höchstem Niveau.
Wenn in dieser Zeitung und dem dazugehörigen NYT der Fahrsport zur Sprache kommt... WOW!
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Gerade heute ist es wichtiger denn je, den Fahrsport auch über nicht-spezialisierte Medien sichtbar zu machen und neue Zielgruppen zu erreichen. Mehr Öffentlichkeit bedeutet mehr Verständnis, mehr Begeisterung – und letztlich eine stärkere Zukunft für unseren Sport.
Und so war es… am 10.Dezember – geschrieben von Hannah Wulkan: (LINK zum Originalartikel)
Im Fahrsport ziehen vier Pferde mit hoher Geschwindigkeit einen Wagen durch eine Arena.
Das Spektakel erinnert an den Film „Ben Hur“ – mit rasanter Action und begeistertem Publikum.
Teamarbeit ist dabei von entscheidender Bedeutung.
Der Ausdruck „Pferd und Kutsche“ ruft oft Bilder von altmodischen Wagen auf Kopfsteinpflaster oder von Touristenkutschen im Central Park hervor.
Doch beim CHI Genf, in der Schweiz, an diesem Wochenende werden Pferde und Kutschen stattdessen mit hoher Geschwindigkeit durch enge Hindernisse rasen, während drei Personen den angehängten Wagen geschickt steuern und ausbalancieren – begleitet von lauter Musik aus den Lautsprechern.
Der Wettbewerb, bei dem die Fédération Équestre Internationale (FEI), der Weltverband des Pferdesports, die fünfte von neun Stationen des Driving World Cup austrägt, zieht die besten Fahrerinnen und Fahrer der Welt im Vierspännerfahren an. Das Turnier erstreckt sich über zwei Tage: Am ersten Tag finden zwei Umläufe statt, die die Startreihenfolge für den zweiten Tag festlegen. Dieser umfasst einen Qualifikationsumlauf sowie ein Stechen der drei besten Teilnehmer. In jedem Umlauf müssen die Fahrer verschiedenste Hindernisse fehlerfrei und möglichst schnell überwinden.
„Fahren bedeutet, Pferde zusammenzubringen, damit sie als Team arbeiten, und Menschen zusammenzubringen, damit sie ebenfalls als Team arbeiten“, sagte Benjamin Aillaud, ein französischer Fahrer, der in Genf mit einer Wildcard an den Start geht.
Zu den Hindernissen eines Parcours gehören unter anderem Kegel, durch die die Kutsche mit nur wenigen Zentimetern Spielraum hindurchpassen muss. Auf jedem Kegel liegt ein Ball. Fällt ein Ball herunter, gibt es eine Zeitstrafe von vier Sekunden – ähnlich wie bei der Punktewertung im Springreiten.
Hinzu kommen sogenannte „Marathon“-Hindernisse. Diese bestehen aus einer Reihe von Toren – ebenfalls mit darauf balancierten Bällen –, die die Fahrer in einer vorgegebenen Reihenfolge durchfahren müssen, wobei sie das Muster frei wählen können.
In Genf ist die Indoor-Arena so groß, dass der Parcours sogar ein Wasserhindernis und einen kleinen Hügel enthalten wird. „Wir werden schnelle Pferde im Galopp sehen, Tempo, Action“, sagte Michael Mayer, der Parcoursdesigner der Veranstaltung, der früher selbst für die Schweiz im Fahrsport aktiv war. Der Parcours müsse „flüssig, schön und pferdefreundlich“ sein. „Am Ende steht das Pferd im Mittelpunkt.“
Der Wettbewerb zeige vor allem die Schnelligkeit und Kraft der Pferde, sagte Bram Chardon, ein niederländischer Fahrer, der den Wettbewerb in Genf von 2021 bis 2023 gewann. „Wenn man sieht, wie vier Pferde in ein Hindernis fliegen und mit minimalen Kommandos wieder zurückkommen und sich durch enge Wendungen manövrieren, „ist es unglaublich, was sie leisten.“ Während sich die meisten Reitsportarten auf die Verbindung zwischen einem einzelnen Pferd und seinem Reiter konzentrieren, ist das Fahren eine echte Teamleistung. In dieser Disziplin kontrolliert jeder Fahrer ein Gespann aus vier Pferden und hat zwei weitere Personen auf der Kutsche, sogenannte Grooms.
Ein Groom fungiert als Navigator. Er steht hinter dem Fahrer, gibt Anweisungen durch den Parcours, hilft bei der Zeitkontrolle und warnt den Fahrer, wenn das Team hinter der Zeit der Konkurrenz liegt.
Der andere Groom steht hinten auf der Kutsche und hilft dabei, den Wagen zu managen und von Hindernissen fernzuhalten. „Die meiste menschliche Energie kommt vom letzten Groom, dem sogenannten Backstepper, der buchstäblich dafür sorgt, dass die Kutsche im Gleichgewicht bleibt“, sagte Chardon.
Und dann sind da noch die Pferde – jedes mit seinem eigenen Charakter –, die als Team durch den Parcours navigieren müssen.
„Mit vier Pferden sind die Kommandos sehr minimal, das Verständnis muss extrem fein abgestimmt sein“, sagte Chardon. Aillaud betonte, wie wichtig es sei, herauszufinden, „wie man vier individuelle Pferde dazu bringt, als Team zu arbeiten, mit drei Menschen auf der Kutsche, die im gleichen Moment, mit der gleichen Idee und bei voller Geschwindigkeit agieren müssen“.
Diese Kommunikation und dieses Training beginnen lange vor dem Betreten der Arena. Man könne nicht einfach vier Pferde anspannen und erwarten, dass sie funktionieren, sagte Aillaud.
Die Fahrer bauen zu jedem Pferd eine Beziehung auf und fordern sie mit verschiedenen Übungen – unter dem Sattel und vor der Kutsche –, um unterschiedliche Muskeln und Fähigkeiten zu entwickeln. Erst später stellen sie Vierer-Teams zusammen, deren Pferde gut miteinander harmonieren und sich gemeinsam gut bewegen.
„Beim Reiten achtet man auf den Rhythmus, auf den Geist des Pferdes unter dem Sattel und auf die Beziehung, die man zu ihm hat“, sagte Aillaud. Beim Fahren sei es dasselbe Prinzip, nur müsse man „vier Pferde auf eine Linie bringen und mit ihnen kommunizieren“.
In den Momenten, in denen all dies zusammenkommt und alle harmonisch zusammenarbeiten, entstehe „eine sehr interessante Mischung aus Geschwindigkeit, Kraft und Ruhe“, sagte er.
Der Fahrsport reicht Jahrtausende zurück, erklärte Mark Wentein, Präsident des FEI Richter Jury in Genf, und lasse sich bis zu den Wagenrennen im antiken Griechenland und Rom zurückverfolgen.
„Man könnte sagen, dass der heutige Indoor-Vierspänner-Weltcup im Fahren mit dieser Geschwindigkeit, dieser Kraft und dieser Beschleunigung verbunden ist“, sagte er.
1970 wurde das Fahren unter Prinz Philip, dem Herzog von Edinburgh und damaligen Präsidenten der FEI, als offizielle Disziplin vom Weltverband anerkannt.
Traditionelle Fahrwettbewerbe finden im Freien statt und bestehen aus drei getrennten Teilprüfungen, ähnlich wie die Vielseitigkeit im Reitsport. Der Weltcup hingegen kombiniert mehrere dieser Elemente zu einem hochklassigen Indoor-Wettbewerb mit hohem Tempo, dem sogenannten „Combined Marathon“.
Die Zuschauer in Genf erhalten zudem Einblicke in die Arbeitsweise der Fahrer. Die Teilnehmer tragen Mikrofone, und sobald ein Gespann ein Marathon-Hindernis erreicht, wird die Musik leiser, sodass das Publikum hören kann, wie die Fahrer mit ihren Pferden sprechen, um die komplexen Linien zu bewältigen. „Man erkennt die Schwierigkeit besser, weil man die Vertrautheit zwischen Fahrer und Pferd sowie ihre Aufmerksamkeit sieht“, sagte Alban Poudret, Sportdirektor des Genfer Turniers.
Genau darin liegt der Reiz: die Harmonie und Teamarbeit von drei Menschen und vier Pferden zu erleben, die in einer tobenden Arena vor jubelndem Publikum wie eine Einheit agieren. „Es ist ein Pferdesport“, sagte Wentein, „aber es ist auch Action und Show.“
New York Times 10.Dezember 2025 → LINK
oder anhören → LINK
Danke, New York Times - Danke für diesen tollen Artikel, Hannah Wulkan!
Jacqueline Zimmermann | Hippoevent























